I. Das Leitbild

Unternehmensleitbilder sind seit einigen Jahren in Mode und gehören „zum guten Image“ eines Unternehmens. Eine Leitbildentwicklung ist oft aufwändig und kostet somit viel Zeit und Geld. Das Ergebnis hängt gedruckt und eingerahmt auf den Fluren im Unternehmen, schmückt die Homepage und den Geschäftsbericht – und wird selten wirklich gelebt. Rhetorisch perfekt formulierte Sätze wie „Der Kunde steht im Mittelpunkt unserer Bemühungen“ (Was sonst ist Dienstleistung?)  werden häufig zu leeren Worthülsen.

Was ist eigentlich ein Leitbild und was soll es leisten? Das Leitbild ist die konsequente Weiterführung der Mission („Warum sind wir auf dem Markt?), der Vision („Wo sehen wir uns in… Jahren?“) und den Werten, für die das Unternehmen steht.

Wer sind wir? Was tun wir? Wofür stehen wir?

  • Ein Leitbild ist wie ein Leuchtturm: er zeigt uns die Richtung, egal, welches Wetter herrscht, bei Tag und bei Nacht. Im Leitbild ist vereinbart, wie wir mit den unterschiedlichen Anspruchsgruppen unseres Unternehmens umgehen: mit unseren Kollegen, Mitarbeitern, Vorgesetzten, Kunden, Gesellschaftern und Geschäftspartnern.
  • Ein Leitbild soll einen realistischen Idealzustand kommunizieren und den Weg dorthin aufzeigen. Ein Leitbild muss vor allem gelebt werden, jeder Mitarbeiter im Unternehmen muss sich mit dem Leitbild identifizieren können, sich somit den Leitsätzen verpflichtet fühlen und sie in seinen Arbeitsalltag integrieren. Ein Leitbild soll von jedem Mitarbeiter in seinem Aufgabenbereich umgesetzt werden können.
  • Auch soll ein Leitbild so lang wie nötig und so kurz wie möglich sein. Kürze, Prägnanz und Verständlichkeit sind die Prämissen für ein erfolgreiches Leitbild, das sich so auch einprägt und Wiederkennungswert schafft.
  • Ein Leitbild soll emotional berühren und Lust zum Umsetzen machen.
  • Ein Leitbild soll eine Unternehmenskultur schaffen, mit der sich alle Mitarbeiter identifizieren können.


II. Die Projektinitiierung „Leitbildanpassung“

Bereits 2003 entwickelte die GWG München ein Leitbild, das sechs verschiedene Themenbereiche behandelte. Da sich seitdem einiges bei der Wohnungsgesellschaft verändert hat, wünschten sich die beiden Geschäftsführer Dietmar Bock und Hans-Otto Kraus, dass das Leitbild entsprechend angepasst wird. Das Leitbild sollte auch dahingehend überarbeitet werden, dass es hilft, den Compliance-Gedanken im Alltag der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nachdrücklich zu verankern. Denn eine Unternehmenskultur, die das wertschätzende Miteinander fördert, trägt auch dazu bei, dass Compliance-Grundsätze gelebt werden.

Reinhard Güthlein, Compliance Officer der GWG München, wurde deshalb beauftragt, dieses Projekt zu initiieren und zu koordinieren, wobei der zentrale Gedanke war, das Leitbild von den Beschäftigten der GWG München selbst entwickeln zu lassen und nicht von „oben“ vorzugeben. Als Unterstützung sollte ein externer Moderator hinzugezogen werden. Mit diesem Anliegen kam Reinhard Güthlein auf den VdW Bayern zu. In einem Vorgespräch mit der Geschäftsführung und dem Compliance Officer wurden lediglich die Eckpfeiler festgelegt: Die Bedeutung der GWG als kommunales Unternehmen der Stadt München, der Auftrag sozial verantwortbar zu handeln sowie „gut zu wohnen“ sollten im Mittelpunkt des Leitbild stehen.

In Zusammenarbeit mit der VdW Bayern Treuhand ging es an die Projektplanung. Eine Arbeitsgruppe „Leitbildentwicklung“ mit insgesamt 20 Beschäftigten und Führungskräften aus allen Unternehmensbereichen formierte sich auf freiwilliger Basis und traf sich am 15.03.2015 zum ersten Workshop, der von Stephanie Baumann moderiert wurde.


III. Die AG Leitbildentwicklung:

In 4 Workshops zum neuen Leitbild

Ziele des ersten Workshops waren, sich mit den Aufgaben und Inhalten eines Leitbilds im Allgemeinen auseinanderzusetzen sowie das alte Leitbild zu reflektieren. So diskutierte die AG, bestehend aus rund 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verschiedener Abteilungen darüber, welche Punkte des alten Leitbilds voll zutreffen und welche Floskeln sind. Dies geschah in Kleingruppen, die sich jeweils einen Absatz vornahmen. Zunächst sollte geklärt werden, wofür die GWG München steht. Mieterzufriedenheit, kontinuierliche Verbesserung, gegenseitige Wertschätzung und soziale Verantwortung, waren hierbei die meist genannten Begriffe. Einig waren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zudem in einem anderen Aspekt: Von Anfang an war die Stimmung in der AG konstruktiv und alle Beteiligten zeigten großes Engagement, das auch während der kommenden Workshops nicht nachließ. Was wohl auch daran lag, dass sich das Team hohe Erwartungen gesetzt hatte: Das neue Leitbild sollte „ein Sprung in die richtige Richtung sein“, die inner- und außerbetriebliche Wahrnehmung verbessern sowie eine gute Basis für eine konstruktive Kommunikationskultur bieten.

Im zweiten Workshop am 16. März 2015 setzte sich die AG daran, die Ergebnisse des Brainstormings zu sortieren und zu gliedern. Als Orientierung dienten die Idee des Leitbilds als
„realisierbarer Idealzustand“, die Frage „Wofür stehen wir?“ und die Anspruchsgruppen der GWG München, dazu zählen unter anderem die Mitarbeiter, Mieter sowie die Landeshauptstadt München.

Am 20. April 2015 traf sich die AG zum dritten Workshop, in welchem die Ausformulierung der Sätze im Mittelpunkt stand. Als oberstes Gebot nannte Frau Stephanie Baumann „ehrlich bleiben“. Dies gelingt mit Formulierungen wie „Wir streben danach…“ oder „Wir legen Wert auf…“. Auch die Eckpfeiler des neuen Leitbilds standen nun fest: Tradition – Erfahrung, Vision – Innovation, sozialer Auftrag, Landeshauptstadt München. Diese Begriffe dienten als roter Faden. Am Ende des Tages standen zwölf Leitsätze fest, mit denen sich die alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer der AG sehr gut identifizieren konnten.

Im vierten und letzten Workshop am 4. Mai 2015, setzte sich die AG zusammen um sich um die Feinarbeit zu kümmern. Jeder Satz des neuen Leitbilds wurde einzeln herausgegriffen und in seiner Wortwahl genauestens unter die Lupe genommen. So sollte sichergestellt werden, dass die Sätze wirklich die beabsichtigte Aussage vermitteln.

Anfang Juli 2015 wurde das (fast) fertige Leitbild von der AG gemeinsam mit der Geschäftsführung reflektiert, kritisch hinterfragt und – mit kleineren Wortänderungen – für ausgezeichnet befunden. Natürlich sind alle Mitwirkenden stolz auf ihr Werk. „Das neue Leitbild ist übersichtlich, klar und bodenständig. Wir können uns damit sehr gut identifizieren“, fasst ein Mitarbeiter die Meinung der AG zusammen. Das neue Leitbild war also druckfertig.


IV. Der Leitbild-Film

Und bei der GWG München hieß das auch – filmfertig, denn um das Leitbild den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie der Öffentlichkeit einprägsam zu präsentieren, entschied sich die AG gemeinsam mit der Geschäftsführung dazu, die sieben Sätze in einen Film zu packen. Jeder Satz sollte mit einer alltäglichen Arbeitsszene visualisiert werden, beispielsweise zeigt eine Einstellung eine typische Besprechungssituation unter Architekten. Schließlich trägt das Leitbild den Titel „Sieben mal wir“. Zudem sollten möglichst alle Abteilungen der GWG München dargestellt werden, damit sich jeder Beschäftigte in dem Film wiederfindet.

Für die Umsetzung wurde eine neue Arbeitsgruppe, die AG Leitbildfilm, gegründet, die sich ein professionelles Filmteam mit ins Boot holte. An drei Tagen war das Team in Wohnanlagen, Neubaugebieten, Hausverwaltungen sowie im Hauptbüro unterwegs und drehte die vorher festgelegten Szenen. Mitmachen durfte jeder der mochte – und die Beteiligung war so groß, dass es sogar die AG Leitbildfilm überraschte. Die Begeisterung spiegelt sich auch im Ergebnis wider, der Film zeigt ein authentisches Bild der GWG München. Darüber hinaus erstellte die GWG München eine Leitbild-Broschüre, die an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verteilt wurde. Sie soll als Handlungsfaden im täglichen Umgang miteinander dienen.

https://www.youtube.com/watch?v=7v-Fgmw9J50&feature=youtu.be


V. Ein Leitbild will gelebt werden

Denn mit der Fertigstellung eines neuen Leitbilds, ist es nicht getan. Ein neues Leitbild weckt Erwartungen. Die AG-Teilnehmer zählten hierzu eine offenere und konstruktivere Fehlerkultur, eine Verbesserung der abteilungsübergreifenden Zusammenarbeit oder mehr Miteinander.

Nun obliegt den Führungskräften der GWG München in den jeweiligen Abteilungen und gemeinsam mit ihren Mitarbeiter/ Innen geeignete Maßnahmen zu entwickeln mit denen die Leitbildsätze in der täglichen Arbeit umgesetzt und damit „zum Leben erweckt werden können. Es bleibt abzuwarten welche Ergebnisse hierbei erarbeitet und realisiert werden.

 

Stephanie Baumann
Betriebswirtschaftliche Beratung
Personalentwicklung, Personalberatung 

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